Bärbel's Geschichte

Ver-rückt sein ist das Schönste im Leben!

Von einer die auszog, das Sticken zu lernen ...
und was daraus geworden ist

Geschichte-BIZ-ErsterSchultag

Seit ihrer Kindheit hat sich BIZ ganz intensiv mit allen Arten der Hand-Arbeit beschäftigt. Angeregt durch ein künstlerisches Elternhaus und eine engagierte Handarbeitslehrerin, wollte sie dies nach dem Abitur zu einem Beruf machen.

Leider musste sie jedoch feststellen, dass in Deutschland die Möglichkeiten hierzu eher begrenzt waren und es nur wenige Alternativen gab: Paramenten- oder Industriestickerei. Oder die Kunsthochschule, bei der die Akzentuierung auf Design und nicht Technik liegt.

Vor allem das Sticken hat BIZ von Anfang an fasziniert, und sie war recht traurig, dass die ehemalige Kunst des Stickens heutzutage mehr oder weniger auf Kreuzstich oder Gobelinarbeiten reduziert ist und man nur schwer an Informationen über die hohe Kunst des Stickens herankommt.

Später hat sie erfahren, dass der „Abstieg“ von der anerkannten Stick-Kunst zur weithin als profaner Wohnzimmer-Aktivität mit schlechtem Image verschrienen Hausfrauenbeschäftigung hauptsächlich bedingt war durch die gedruckten Vorlagen der Berliner Wollstickereien. Im Mittelalter war Deutschland noch eine blühende Hochburg der professionellen Stickerei – wie sich die Zeiten ändern.

BIZ hat dann in Mutters Stübchen weitergewerkelt und sich so viel Wissen wie möglich aus Büchern geholt. Dies hat sie in Praktika während ihres Studiums Sozialwesen in verschiedenen sozialen Einrichtungen eingesetzt und hierbei schon deutlich erkennen können, welche therapeutische Wirkung Handarbeit haben kann.

Nach dem Studium absolvierte BIZ noch eine Ausbildung an der Hotelrezeption, erwarb den Kauffraugehilfenbrief im Fach Spedition und arbeitete sehr lange in verschiedensten Bereichen des Bankwesens, der Logistik und Personalführung.

Doch plötzlich hat die „Fügung“ zugeschlagen. 5 Jahre hat man(n) gebraucht, BIZ zu einem Urlaub in England zu überreden…Hartnäckigkeit zahlt sich also manchmal doch aus….in diesem Fall absolut zu meinen Gunsten….In unzähligen alten Herrschaftshäusern im Südwesten des Landes wurde BIZ nach langer Zeit wieder einmal mit der Vielseitigkeit des Stickens konfrontiert.

Ein Besuch des “Montecute-House” in Kent, das eine laufende Ausstellung historischer und zeitgenössischer Stickereien und Spitzen unterhält und gerade eine Sonderausstellung mit alten Mustertüchern aus dem Schulunterricht vergangener Zeiten beherbergte, war der Beginn einer neuen Zeitrechnung…

Sticken

Sticken - International und immer lebendig

Jeder Liebhaber der feinen Nadel-Arbeit weiß, welches Schatzkästlein Großbritannien in diesem Bereich ist – doch diese Sammlung übertraf alles, was BIZ bis dahin untergekommen war.

Und immer wieder tauchte der Name “Royal School of Needlework” auf. Nach vielen vergeblichen Fragen fand sie heraus, dass die Schule, sollte sie noch existieren, in London sein müsste. Bis heute bleibt es ein Rätsel, welches Teufelchen ihr ins Ohr geflüstert hat, „das ist dein Ding“ – doch es hatte recht!

Einige Zeit später reiste BIZ zu einem ersten Gespräch nach London – und kam mit leuchtenden Augen und der Aussicht auf ein Jahr Sticken, Sticken, Sticken und sparen, sparen, sparen zurück. Wie ein kleines Wunder erschien ihr, dass sie trotz ihrer fast 40 Jahre doch wieder einen Halbtagsjob fand und so die Kosten für die dienstäglichen Flüge nach England verdienen konnte. Für den Rest hatte sie entschieden, dass ihre Altersvorsorge und Sparverträge in dieser Schule besser aufgehoben wären als auf der Bank. Das Leben hat ihr recht gegeben!

Im September 1994 ging es los – nichtsahnend, auf was sie sich da wirklich eingelassen hatte. Eigentlich wollte BIZ „nur“ etwas für sich tun und sich aus dem Frust des immer wieder Arbeitsloswerdens herauskatapultieren. Einmal eine Weiterbildung machen, die „nur“ ihr etwas nutzt und sie daher auch nicht nachträglich verärgern konnte, wenn es doch wieder nicht mit dem besseren und dauerhaften Arbeitsplatz funktioniert hat…

Was folgte war das bis dahin schönste, aufregendste und anstrengendste Jahr ihres Lebens. Flugangst bekommt eine ganz neue Bedeutung, wenn man nur durch einen wöchentlichen Flug nach London etwas tun kann, was einem so am Herzen liegt…. Einmal in der Woche in einem ehemaligen Palast Heinrichs des VIII. ganz in der Vergangenheit versinken und Techniken erlernen, von denen BIZ teilweise noch nie gehört hatte.

Alle Anstrengungen waren vergessen, wenn BIZ eine neue Arbeit betrachtete oder ein neues Werk plante. Sie arbeitete in ihrer Klasse gemeinsam mit einer Engländerin und einer Japanerin, in der Parallelklasse waren 4 Japanerinnen und eine Australierin. BIZ hat ihr Schulwissen über alle Grundtechniken der traditionellen Stickkunst vertieft und darauf aufbauend noch Weiterbildungswochen und Wochenenden an der RSN absolviert.

Es gibt so viel zu lernen, damals wie heute – jeden Tag aufs Neue!

Geschichte-BIZ-Abschluss

Im September 1995 hat BIZ ihr Diplom in einer feierlichen Zeremonie beim Londoner Auktionshaus Christies erhalten, ein würdiger Abschluss für eine so wertvolle Zeit.

Jane Lemon (leider 2015 verstorben), eine der bekanntesten englischen Stickkünstlerinnen, hat BIZ in einem wunderbaren Gespräch einmal gesagt: „Wenn du an der RSN gut aufpasst, hast du alles, was du zum Thema Handstickerei wissen musst, in deinem Gepäck. Darauf kannst du alles aufbauen“. Wie recht sie hatte!

Schon während der Ausbildung hatte BIZ sich entschlossen, es auch den Menschen, die keine Möglichkeit hatten oder nicht so verrückt wie BIZ sind, dieses Wissen in Deutschland weiter zu geben. Mit der von BIZ gegründeten International School for Textile Arts trägt sie viel dazu bei, den Handwerkskunst-Aspekt der Stickerei wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Alle, die die Möglichkeit genutzt haben, die Schule bei Ausstellungen oder Veranstaltungen zu besuchen oder den Mut hatten, einfach ins unbekannte Metier einzutauchen und einen Kurs zu buchen, sind so erstaunt über die Vielfältigkeit der textilen Oberflächengestaltung im Stickbereich, wie BIZ es bei ihrem ersten Besuch in der Royal School of Needlework war.

Wie erfreut ist man erst, wenn man erkennen lernt, dass sich uralte Techniken wunderbar unseren modernen Vorstellungen von Schönheit und Ästhetik anpassen lassen. Egal ob man nun lieber abstrakt oder lieber gegenständlich arbeitet.

Gerade junge Menschen will BIZ ermutigen, in diesem viel zu wenig beachteten Bereich viel zu lernen und sich damit vielleicht sogar eine berufliche Chance zu „er-sticken“. Um dies möglichst vielen zu ermöglichen, entwickelt BIZ seit 1998 Unterlagen für Fernkurse und hat damit weltweit schon vielen Sticker*innen den Weg zu ihrer eigenen Kreativität gezeigt.

Dieser Weg ist nicht einfach und verlangt schon eine gehörige Portion Idealismus, Durchhaltevermögen und Frechheit im positivsten Sinne – dafür ist er auch sehr lohnend. Nicht unbedingt aus materieller Sicht…aber Sticken ist nicht nur ein Zeitvertreib, Sticken ist wie Meditation. Ein Kursteilnehmer (kein Schreibfehler: es war wirklich ein Mann!) hat es einmal auf den Punkt gebracht: „Sticken ist etwas sinnlos Schönes“ – danke für diesen wunderbaren Satz!

Der Bedarf an Schönem, nicht materiell Messbarem ist gerade in unserer heutigen, in vielen Aspekten nicht einfachen Zeit, enorm gross und es ist wichtig, diesen Bedarf zu decken. Lasst Euch vom netten Virus kreatives Sticken inspirieren und infizieren – Ihr werdet es nie bereuen!

Neben der Schule gibt es noch den Bereich der inzwischen weltweit berühmten Painters Threads, die ebenfalls durch BIZ‘ Kreativität entstanden ist. Garne, Stoffe, Tüdelkram, nichts ist vor der Färbefreude von BIZ sicher.

Sie hat eine ganz spezielle Technik zum Bemalen von textilen Materialien entwickelt, die jedes Produkt ein Unikat sein lassen und ein ganz neues Farbgefühl bei textilen Projekten entstehen lassen. Inzwischen ist die Kollektion auf der ganzen Welt aus vielen Geschäften, Workshops und Veröffentlichungen nicht mehr weg zu denken.

Durch das breite Spektrum der Kollektion hat BIZ es auch zu einer Quelle für ihre Kursteilnehmer werden lassen, aus der sie die Vielfalt der heute zwar verfügbaren, aber oft schwer zu findenden Materialien schöpfen können.

BIZ freut sich darauf, viele von euch “positiv infizieren” zu können, auf dass es bald mehr Ver-rückte als Miesepeter gibt.

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In diesem Sinne – bis bald!